Wenn das Einkommen ausfällt, zählt nicht der Grund, sondern der Tag
Ein Einkommensausfall ist für die meisten Haushalte das Ereignis mit der größten finanziellen Wirkung, und es ist zugleich das am schlechtesten vorbereitete. Dabei ist die zugrunde liegende Frage sehr einfach und in einer halben Stunde beantwortet: Ab welchem Tag fließt weniger, wie viel weniger, und wie lange hält dein Puffer. Diese Rechnung ist unangenehm und sie ist der einzige Weg, aus einer diffusen Sorge eine Zahl zu machen.
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Bewertung
Das gefährdet deine Stabilität. Kümmer dich zeitnah darum.
Die Bewertung bemisst sich an der Wirkung auf einen normalen Haushalt oder einen kleinen Betrieb, nicht an der weltpolitischen Bedeutung des Themas. Wie die Skala gemeint ist
Wen es wo trifft
Warum das passiert
Bei Angestellten läuft das Gehalt im Krankheitsfall zunächst weiter. Nach einer gesetzlich festgelegten Frist endet diese Entgeltfortzahlung, und ab dann zahlt die Krankenkasse einen Betrag, der niedriger liegt als das bisherige Netto.
Diese Stufe ist der eigentliche Bruch. Sie kommt nicht überraschend, sie steht im Gesetz, aber sie wird selten vorher ausgerechnet.
Bei Arbeitslosigkeit gilt eine ähnliche Struktur: ein Prozentsatz des früheren Entgelts für eine Dauer, die sich nach Beitragszeit und Alter richtet, danach ein deutlich niedrigeres Grundsicherungsniveau.
Für Selbstständige gibt es diesen automatischen Mechanismus nicht. Fällt die Arbeitsfähigkeit weg, fällt der Umsatz sofort weg, während die Fixkosten des Betriebs weiterlaufen.
Auf der Ausgabenseite passiert wenig: Miete, Rate, Versicherungen und Verträge laufen unverändert. Genau diese Asymmetrie zwischen schnell fallenden Einnahmen und trägen Ausgaben ist das Problem.
Wann es bei dir ankommt
In den ersten Wochen ändert sich meist nichts, weil die Entgeltfortzahlung greift. Das erzeugt ein trügerisches Gefühl von Stabilität.
Die erste spürbare Stufe kommt nach dem Ende der Entgeltfortzahlung, also nach einigen Wochen.
Die zweite Stufe kommt beim Auslaufen der Lohnersatzleistung, also nach Monaten bis zu eineinhalb Jahren, je nach Fall.
Bei Selbstständigen wirkt der Ausfall sofort auf den Umsatz, aber verzögert auf das Konto, weil offene Rechnungen noch eingehen. Auch das täuscht Stabilität vor.
Auf der Ausgabenseite lassen sich die meisten Verpflichtungen erst zum nächsten Kündigungstermin senken, also mit Wochen bis Monaten Verzögerung.
Was du tun kannst
Kurzfristig
In den nächsten Tagen und Wochen. Verschaff dir zuerst Klarheit über deine eigene Lage.
Als Privatperson
Nimm deine tatsächlichen monatlichen Ausgaben, nicht deine geschätzten, und teile deine verfügbaren Rücklagen dadurch. Das Ergebnis ist eine Zahl in Monaten, und sie ist die wichtigste Kennzahl deines Haushalts. Bei 2.500 Euro Ausgaben und 7.500 Euro Rücklagen sind das drei Monate. Ob dir das reicht, ist eine Entscheidung, aber du kannst sie erst treffen, wenn du die Zahl kennst.
Als Selbstständiger oder kleiner Betrieb
Rechne dieselbe Zahl zweimal: einmal privat und einmal für den Betrieb. Bei Selbstständigen laufen die betrieblichen Fixkosten weiter, während privat nichts mehr hereinkommt. Wer nur eine der beiden Zahlen kennt, unterschätzt seinen Bedarf regelmäßig um die Hälfte.
Als Privatperson
Schau in deinen Arbeitsvertrag und in deine Unterlagen, wie lange in deinem Fall das volle Gehalt weiterläuft und was danach kommt. Diese beiden Angaben sind der Kern. Schreib sie auf ein Blatt und leg es zu deinen Unterlagen, damit du im Ernstfall nicht suchst.
Als Selbstständiger oder kleiner Betrieb
Für Selbstständige ist die entsprechende Frage, wie lange offene Forderungen noch Geld bringen und ab wann die Lücke beginnt. Geh deine offenen Rechnungen und Zahlungsziele durch und schätze, wie viele Wochen das überbrückt. Diese Zahl ist meist kürzer als erwartet.
Mittelfristig
In den nächsten Monaten. Hier geht es ums Rechnen und ums Sortieren von Verträgen und Abhängigkeiten.
Als Privatperson
Geh deine Kontoauszüge eines vollen Jahres durch und markiere alles, was du im Ernstfall nicht innerhalb eines Monats abstellen könntest: Wohnen, Energie, Versicherungen, Kredite, Verträge mit Laufzeit. Diese Summe ist dein echter Bedarf, und sie ist meist deutlich niedriger als dein normales Ausgabenniveau. Damit wird aus einer bedrohlichen Gesamtsumme eine überschaubare Zahl, mit der du planen kannst.
Als Selbstständiger oder kleiner Betrieb
Mach dieselbe Aufstellung für den Betrieb: Miete, Leasing, Versicherungen, Löhne, Software, Kredite. Die Summe ist der Betrag, den dein Betrieb ohne einen einzigen Auftrag pro Monat kostet. Wer diese Zahl nicht kennt, kann keine sinnvolle Reserve festlegen.
Als Privatperson
Viele haben über Arbeitgeber, Verbände oder alte Verträge Absicherungen, von denen sie nichts wissen. Trag einmal zusammen, was existiert, was es im Leistungsfall zahlt und ab wann. Es geht hier ausdrücklich nicht darum, etwas Neues abzuschließen, sondern darum, den Bestand zu kennen. Erst wenn du weißt, was du hast, kannst du mit einer zugelassenen Beratung sinnvoll über Lücken sprechen.
Als Selbstständiger oder kleiner Betrieb
Prüfe zusätzlich, ob und wie du in der Krankenversicherung im Krankheitsfall abgesichert bist, denn bei Selbstständigen ist das je nach Vertrag sehr unterschiedlich geregelt. Diese eine Frage entscheidet über Wochen ohne jedes Einkommen. Kläre sie mit deiner Krankenkasse, nicht mit einer Vermutung.
Langfristig
Über Jahre. Entscheidungen, die du selten triffst und die dafür lange wirken.
Als Privatperson
Eine Reserve entsteht nicht durch einen guten Vorsatz, sondern durch eine automatische Überweisung am Monatsanfang auf ein getrenntes Konto. Der Betrag ist zweitrangig, die Regelmäßigkeit ist entscheidend. Setz dir ein Ziel in Monaten statt in Euro, dann wächst es mit deinen Ausgaben mit. Drei Monate sind ein sinnvoller erster Halt, sechs sind für viele der eigentliche Ruhepunkt.
Als Selbstständiger oder kleiner Betrieb
Für Selbstständige gilt dasselbe, nur mit größerem Zielwert, weil Einkommen schwankt und keine Lohnfortzahlung existiert. Ein praktikabler Weg ist, nach jedem Zahlungseingang einen festen Prozentsatz auf ein separates Konto zu legen. Das koppelt den Aufbau an gute Monate statt an Disziplin.
Als Privatperson
Wer seine dauerhaften Verpflichtungen am oberen Rand des heutigen Einkommens ausrichtet, hat bei jedem Ausfall sofort ein Problem. Ein einfacher Prüfsatz: Könntest du deine Fixkosten auch dann tragen, wenn dein Einkommen für ein halbes Jahr um dreißig Prozent niedriger wäre. Wenn nein, ist nicht dein Einkommen zu klein, sondern deine Fixkostenquote zu hoch. Das ist unbequem und es ist die ehrlichste Frage in diesem ganzen Thema.
Als Selbstständiger oder kleiner Betrieb
Im Betrieb ist die gleiche Frage die nach dem Verhältnis von festen zu variablen Kosten. Je mehr Kosten mit der Auslastung mitatmen, desto besser übersteht der Betrieb schwache Phasen. Prüfe bei jeder neuen Verpflichtung, ob sie fest sein muss oder ob es eine variable Variante gibt.
Quellen
- 1Statistisches Bundesamt
- 2Bundesagentur für Arbeit, Statistik
- 3GKV-Spitzenverband
- 4Sozialgesetzbuch V, Gesetzliche Krankenversicherung
- 5Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG)
Verlinkt sind die Stellen und Rechtsgrundlagen, auf die sich dieser Artikel stützt. Wir verweisen auf die jeweilige amtliche Seite, weil einzelne Dokumente dort regelmäßig durch neuere Fassungen ersetzt werden.
Datengrundlage
Grundlage sind die gesetzlichen Regelungen zur Entgeltfortzahlung und zum Krankengeld, die Veröffentlichungen der Bundesagentur für Arbeit zu Anspruchsdauer und Berechnung, Angaben der gesetzlichen Krankenversicherung zum Krankengeld bei Selbstständigen sowie die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes. Wir nennen keine Versicherungsprodukte und keine Anbieter. Dieser Text ersetzt keine Beratung durch eine zugelassene Stelle.
Hinweis
Dieser Artikel ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Wir nennen keine Finanzprodukte, keine Anbieter und keine Versicherungen und geben keine Kauf-, Verkaufs- oder Umschichtungsempfehlungen. Was du hier findest, sind Erklärungen und Prüfpunkte, mit denen du deine eigene Lage einschätzen kannst. Für Entscheidungen mit Geld, Steuern oder Verträgen zieh bitte eine Person hinzu, die dafür zugelassen ist und deine Situation kennt.